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Silent Disco

Zeitpunkt: 29.07.2012 23:24
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Am Wochenende besuchte ich das Auerworld Festival. Herrlich wars!

Mitten im Wald wurden allerlei Zelte und Sonnensegel aufgebaut - zum Tanzen, Essen, Trinken, Gruppen-Hörbuch-Hören, T-Shirts drucken, Bilder malen, etc. Auf Freiflächen gabs zwei Kinos, sehr rege frequentierte Tischtennisplatten, kleine Lädchen bis hin zum Gemüsestand, eine Outdoor-Küche, Massage, einen Neon-Juggle-Space und so weiter. Die meisten Nahrungsmittel waren fair gehandelt und/oder biologisch angebaut. Die meisten Besucher waren alternativ und es gab sehr viele entspannte Familien. Auf dem Zeltplatz war mal kein Igluzeltmeer, sondern eine Sammlung unterschiedlichster Zelte, alter Wohnwagen und umgebauter LKW.

Die Musikauswahl war gelungen und sehr fetzig. Die Deko auf dem gesamten Gelände war fantastisch und ich habe mal wieder Fotos gemacht, bis der Akku leer war. Die Besten findest du in der Galerie. Aber nun zum Wesentlichen:

Besonders begeistert war ich, als 2 Uhr das Lautsprechersystem ausgeschaltet wurde. Aber die Party war nicht beendet - im Gegenteil! Keiner verließ das Gelände, alle tanzten weiter. Mit Kopfhörern, von den Veranstaltern ausgegeben, um entweder die Lärmschutzbedingungen zu befolgen und/oder die Natur nicht die komplette Nacht zu beschallen.
Das Konzept heißt Silent Disco und macht auf den ersten Blick einen unsozialen Eindruck. Aber neben den bereits genannten Vorteilen gibts noch etliche Weitere. Jeder kann seine Lautstärke selber regeln. Kein Tinitus hinterher. Richtungsloses Tanzen, also keine Ausrichtung nach dem Soundsystem. Immer Stereo, immer perfekter Klang.

Keine laute Anlage heißt neben weniger Lärmbelästigung der Umgebung auch weniger Stromverbrauch. Dafür muss man die Akkus der Kopfhörer vorher laden und der FM-Transmitter erzeugt etwas Elektrosmog. Ein sozialer Nachteil ist klar: für Informationsaustausch oder Absprachne mit Freunden muss man immer erst den Kopfhörer abnehmen. Und den Anderen muss man mit Zeichensprache dazu bringen, daß Gleiche zu tun. Das nervt!

Aber dafür hat mir das mobile Soundsystem die Freiheit gegeben, zu tanzen wo ich will, ohne mein Bedürfnis nach einer guten Kombination aus Stereoklang und Pegeldröhnung vernachlässigen zu müssen. Das fetzt und so bewegt sich das Tanzvolk auch mal etwas von der Tanzfläche weg. Zwar ist die Tanzmenge am Pult etwas mauer als sonst, aber dafür hat man in der Umgebung hier und da ganz selbstverständlich tanzende Leute.


Und als die Nacht dem Ende entgegen ging und die ersten Vögel ungestört und unverstört ihre morgendliche Kommunikation begannen, obwohl die Party noch fett im Gange war und etliche Menschen zu knackigen Drum&Bass- oder lockeren House-Beats abgingen, war ich dann doch ziemlich begeistert.

So was müssen wir auch mal machen :D

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